LUFTHANSA EXCLUSIVE 12/09
STARS VON MORGEN
Fotos:Thomas Bruns/courtesy Kuckei + Kuckei, VG Bild Kunst, Bonn 2009; Sabine Wild www.kunstwild.de,
HÖREN SIE WAS? IMMER NOCH NICHT? ABER JETZT! DEUTSCHLAND BRUMMT VOR KREATIVITÄT. UND HIER SIND EINIGE DER STARS VON MORGEN
OLIVER VAN DEN BERG
Der 1967 in Essen geborene Oliver van den Berg hat’s mit der Technik. Oder eben nicht. Mit seinen Kunstwerken rückt er dem Mythos Hightech zuleibe und lotet die Tücken und Macken aus, die den Fetischen unserer modernen Zeit innewohnen. An U-Booten, Radarschirmen und Satelliten hat van den Bergs Schaffenslust sich ebenso entzündet wie an den V1-Raketen, mit denen Nazi- Deutschland im Zweiten Weltkrieg Großbritannien angriff und die der Künstler auf Grundlage von Erinnerungsskizzen Londoner Bürger interpretierte. Weit weniger martialisch, aber ebenso irritierend sind diese aus Holz gefertigten Kameras als Relikte einer überdimensionierten Pressekonferenz, mit der van den Berg in der Ausstellung „Made In Germany” im Kunstverein Hannover vertreten war.
SABINE WILD
Sabine Wild beeindruckt durch ihre Zerstörungskraft – allerdings handelt es sich dabei um eine Destruktion der sachtesten Art und eine, die darauf abzielt, die Welt neu zu erschaffen. Die 1962 in Padua geborene und in Berlin lebende Fotografin zerlegt die Matrix unserer Städte und ordnet sie neu, in ihren Bildern lässt sie Bereiche in Unschärfe versinken, um in anderen Parts überhöhte Schärfe zu erzeugen. Das Flirren und Verschwimmen dient so dem Akzentuieren, dem Bloßlegen von Strukturen. Auch die Farbigkeit setzt sie in ihren Arbeiten gezielt zur Bildung von Schwerpunkten ein, etwa wenn in ihrem Bild „NY projection XX“ glühendes Orangerot oder Schwefelgelb aus einem Blaugrau hervorbricht. Hervorbricht? Ein zu starkes Wort, denn wie gesagt: Sabine Wild ist die sanfteste Zerstörerin, die man sich denken kann.
FRANKEN ARCHITEKTEN
Bernhard Franken und Frank Brammer scheinen sich am Goethe-Wort „Nur die Lumpe sind bescheiden“ zu orientieren – das Brauhaus „Goldener Engel“ in Ingolstadt hat das Architektenduo nach Selbstauskunft „im Spannungsfeld zwischen dem Erhabenen der Sakralarchitektur und dem Profanen der Braukultur“ angelegt. Starke Worte. Und ein starker Bau. Ebenso wie die „Bubble“, die sie für den BMWAuftritt auf der IAA 1999 entworfen haben, oder der Münchener Cosmogrill, den sie als „letzte Imbissstube am Rande des Universums“ gestalteten.
DAMIR DOMA
Damir Doma ist ein Poet in Stoff, seine Entwürfe vermitteln durch ihren weichen Fluss, die Transparenz und ihre leicht melancholische Farbigkeit den Eindruck, als würde er als Kostümbildner für Träume arbeiten. Der Modemacher, ein gebürtiger Kroate, liebt es, zarte Schichten dünner Stoffe in mehreren Lagen zu drapieren – klare Konturen und strenge Schnitte sind seine Sache nicht. Offenbar trifft er damit nicht den Nerv der Deutschen, eher den lyrischen Sinn der Franzosen: In Paris gilt Damir Doma heute als einer der angesagten jungen Menswear-Designer. Als Quelle seiner Inspiration hat Doma „Gefühle, die Natur und Kunst“ ausgemacht und damit ein ziemlich unbestimmtes Feld abgesteckt – aber das Bestimmte und Gradlinige ist seine Sache ja auch nicht, für diese Erkenntnis reicht schon ein Blick auf seine Kreationen.