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Made in Switzerland – das klingt lecker, reichhaltig, unkaputtbar und seriös. Das ruft Bilder von Schoggi und Käsewürfeln auf die Netzhaut, von Armbanduhren und Taschenmessern. Dass die Schweiz inzwischen „Mode in Switzerland“ hat, deren Entwürfe alles andere als rustikal sind und die in der internationalen Liga mitspielen, dürfte auch viele Fans des Alpenlandes überraschen.

Gipfel der helvetischen Schneiderkunst ist das Label Akris aus Sankt Gallen. Das Unternehmen der Familie Kriemler hat sich mit seinen Prêt-à- porter-Schauen in Paris einen Namen gemacht und ist ein Topseller in Luxus-Stores von Bergdorf Goodman bis Harvey Nichols. Verantwortlich für das Design ist Albert Kriemler, und obwohl er es ungern zugibt, ist es eine zutiefst schweizerische Eigenschaft, auf der sein Erfolg beruht: die Diskretion. Die Mode von Akris ist stets von unaufdringlicher Eleganz. „Unser Name steht für eine neue Art von Luxus“, so Albert Kriemler, „unmissverständlich modern und feminin. Wir legen Wert auf einfache Schnitte und schmeichelhafte Materialien.“

Eine gewisse Swissness ist auch der Kern der Männermode von Strellson aus Kreuzlingen am Bodensee. „Männer sollten nicht elegant, sondern gut aussehen“ ist das Credo von Unternehmenschef Rainer Pichler. „Und das erreichen sie am besten, wenn sie einen Bekleidungsstil finden, der zu ihrer Persönlichkeit, ihrem Aussehen, aber auch zu ihrem Alter passt.“ Von entsprechender Vielseitigkeit ist die Kollektion, von modern-korrekt bis leger, von Brille bis Socke und alles dazwischen. „Für die Swissness bin ich zuständig“, sagt Thomas Beller und grinst. Der Würzburger mit dem blonden Wuschelkopf gestaltet die Linie „Swiss Cross“. Nicht schwer zu erraten: Das Schweizerkreuz ist ihr Designmerkmal.

Es entstand vor ein paar Jahren eher durch Zufall, als eine gebrauchte Decke aus Beständen der Schweizer Armee, natürlich mit Schweizer Kreuz versehen, zum Futter einer Jacke wurde. „Wir fanden diese Jacke authentisch und cool, aber kein Einzelhändler wollte sie haben“, erinnert sich Beller. „Doch dann erschien ein kleiner Bericht in einer Zeitschrift – und im Nu war die Jacke ausverkauft. Mittlerweile ist sie ein Klassiker.“

So wie Strellson aus einer traditionellen Mantelfabrik entstanden ist, hat auch Nove Marzo tief reichende Wurzeln. Erfahrung mit Strickwaren der Spitzenqualität sammelt man dort schon, seit das Unternehmen als Walter Knöpfel Tricotage 1888 gegründet wurde. Das Erzeugnis heutiger Tage fühlt sich gut an: weiche Maschen aus feinsten Garnen in einer Palette bunter Farben. Gar nicht wieder loslassen mag man die Grobstrickjacken, die in der Schweiz von Hand gefertigt werden.

Die wohl bekannteste Gestalt der Schweizer Modeszene ist Seidenkönig Andi Stutz. Der Bonvivant zieht gern violette Kaschmirpullis (aus der eigenen Kollektion natürlich) über den wohlgenährten Leib, kombiniert gelegentliche Launen mit verblüffender Großzügigkeit und kaschiert mit Kaspereien oder Derbheit die eigene Empfindsamkeit. Mit seinen Schwestern Elsa und Maya führt er seit 1980 den Seidensalon Fabric Frontline, sie bringen helvetischen Sinn für Handwerk und Detail mit Zeitgeist und Design auf einen Nenner. Seine exquisiten Drucke exportiert er an Modedesigner in alle Welt; in Zürich präsentieren zwei Boutiquen seidene Foulards und Blusen, Krawatten und Stolen in allen Farben, dazu Pullover aus erstklassigem langfädigen Kaschmir.

Für eine ganze Generation von jungen Designern ist Andi Stutz zum Spiritus Rector geworden. Zum Beispiel für Kazu Huggler, die in Tokio geboren wurde. Sie verarbeitet auch Stoffe vom Seidenkönig in ihrer eleganten, femininen Kollek tion. „Ich lasse mich viel von alten japanischen Drucken inspirieren“, sagt sie, „daraus mache ich dann wieder etwas Neues. Und manche Ideen für Muster lasse ich wiederum in Japan ausführen.“ Ein weiterer Newcomer, dessen Namen man sich merken sollte, ist Tran Hin Phu, 1975 in Vietnam geboren. Einst Überraschungssieger des mit 200 000 Franken dotierten Swiss Textiles Awards und eine Weile als Designer in Paris und Berlin unterwegs, setzt er inzwischen auf ein eigenes Geschäft in Zürich, wo er seine innovative Damenmode verkauft.

Alles wird gut! Von den Entwürfen der charismatischen Züricher Designerin Ida Gut lässt sich das behaupten. Schlank und schön ist Ida Gut selbst das beste Model für ihre klaren und doch raffinierten Schnitte, deren leicht unterkühlte Strenge kombiniert mit fröhlich leuchtenden Farben. „Mich interessiert das Tragegefühl, Mode muss auch funktional sein und bequem“, sagt sie. „Ich suche immer nach besonderen Stoffen und neuen Materialien, die diese Anforderung erfüllen.“
Täglich steht sie im Atelier, steckt so lange Stoffbahnen um die Schneiderpuppe, bis die Linie stimmt. Ihre Mode vertreibt sie selbst, in einem spektakulär schönen Shop mit wellenförmigen Stellwänden und dezentem Licht.
Gänzlich gelöst von konventionellen Vertriebswegen hat sich Dorothée Vogel, sie betreibt einen Salon Privé: Zweimal im Jahr lädt sie zur Besichtigung der Kollektion, bei der Gelegenheit kann >

Akris Internationales Luxuslabel, Infos und Shop-Suche unter www.akris.ch. In Zürich kein Flagshipstore, aber ein Shop-in-shop im Luxuskaufhaus Grieder, Bahnhofstraße 30, www.bongenie-grieder.ch

Dorothée Vogel Mode im Salon Privé, zweimal im Jahr. Info über Ort und Zeitpunkt unter salonprive @dorotheevogel.com und Tel. +41-44/364 33 07, Fashion-Infos unter www.dorotheevogel.com

Fabric Frontline Seidensalon, www.fabricfrontline. ch. Stammladen mit benachbartem Restaurant Seidenspinner in der Ankerstraße 118, Zürich, Tel. +41-44/241 64 55. Zweiter Shop: Bahnhofstraße 25/Bärengasse, Zürich, Tel. +41-44/222 20 00

Fidelio Multilabel-Boutiquenkette, Informationen unter www.fidelio-kleider. ch. Eine der Boutiquen in Koopera tion mit der Designerin Ruth Grüninger, Nüschelerstraße 31, Zürich, Tel. +41-43/497 24 49.

Lufthansa Tipp
Lufthansa fliegt von zahlreichen deutschen Städten mehrmals täglich nonstop nach Zürich (ZRH). Eine Taxifahrt vom Airport ins Zentrum dauert etwa 20 Minuten und kostet circa 50 Schweizer Franken (30 Euro). Züge zum Zürcher Hauptbahnhof verkehren während der Hauptverkehrszeiten im 10-Minuten-Takt.